PlanetPraktika- Informationsportal für Einsteiger in die Medienbranche
   
TrennlinieRubriken
1x1
Interview mit Helmut Markwort1x1Neue Buchrezensionen1x1Interview mit Reinhold Beckmann1x1News
1x1
Trennlinie1x1Rubriken1x1
1x1

Medienkrise Deutschland: Tal der Tränen durchschritten?


Schlechte Honorare für Freie, Einsteiger und Praktikanten statt "Traumgehälter" für alle. Schlichte Onlineauftritte von Publikumszeitschriften statt hypermoderne, von kostenlosen Diensten strotzende Portale. Verlagsübergreifende Eigenanzeigen statt freien Platz der Redaktion zur Verfügung zu stellen. In Überstunden selbst Artikel schreiben statt Aufträge an Freie abgeben: Was ist los mit der deutschen Medienbranche?

Schlechte Zeiten für Berufseinsteiger?
"Man ist (...) ein bisschen skeptischer geworden nach der wirtschaftlichen Entwicklung, die wir hinter uns haben und in der wir teilweise noch drinstecken. Ich glaube aber, dass [der Beruf Journalist] eher noch wichtiger geworden ist. Bei der Flut von Informationen (...) braucht man Leute, die (...) gelernt haben, das Wesentliche herauszufiltern und es verständlich aufzubereiten. Und damit einem großen Publikum die Möglichkeit zu geben, an der öffentlichen Meinungsbildung in den wichtigen Fragen teilzuhaben. Nach wie vor sind es Journalisten, die das tun", sagt Ingrid Kolb, Leiterin der Henri-Nannen-Journalistenschule, gegenüber fluter.de.

"Gegenwärtig häufen sich Pleiten, Medienleichen und Redaktionsschließungen in Folge drastisch abnehmender Werbeeinnahmen", hieß es im Jahr 2002 noch zur Lage in der Medienbranche.

Mittlerweile scheint sich die Situation geändert zu haben. Zum Guten? Prof. Dr. Michael Haller, Leiter der Abteilung Journalistik an der Universität Leipzig meint: "Das Tal der Medienkrise in Deutschland ist durchschritten".

Zwei Drittel der Mediaentscheider in Deutschland (65,8 Prozent) gehen für 2005 von einem wachsenden Werbemarkt aus. Das ist eines der zentralen Ergebnisse des Deutschen Werbebarometers I/05 von Kress und WEB.DE. Die Ergebnisse gehen aus einer Befragung von über 50 Geschäftsführern, Marketingleitern und Werbefachleuten in den ersten beiden Februarwochen 2005 hervor.
Ist also das Jahr 2005 Beginn des Aufschwungs in der deutschen Medienlandschaft? Rund die Hälfte der Befragten (52 Prozent) glaubt, dass das mediale "Tal der Tränen" binnen Jahresfrist durchschritten sein wird. 38 Prozent gehen davon aus, dass die Trendwende sich auch noch schneller einstellen könnte, so die weiteren Ergebnisse des Deutschen Werbebarometers.

Wie sieht es auf dem Ausbildungsmarkt aus?

Die Medienkrise in Deutschland wirkte sich auch auf die Ausbildung aus - Volontariate wurden vielerorts nicht mehr angeboten, es wurden teilweise keine Tariflöhne mehr gezahlt. So hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) ihre Ausbildung journalistischen Nachwuchses vorübergehend eingestellt. Wie sieht es derzeit aus? "Herausgeber Dieter Eckhart freut sich, dass jetzt wieder im alten Umfang jährlich sechs Volontäre aufgenommen werden können - die Redaktion brauche Nachwuchs. Jedoch sollen künftig keine verkürzten Ausbildungszeiten mehr angeboten werden" schreibt Prof. Dr. Stephan Rußmohl in einem Beitrag für das "European Journalism Observatory" der Universität Lugano.

"Deutschlands zweitgrößter Zeitungskonzern (die WAZ-Gruppe, Anm. SR) hat eine neue Kuh entdeckt, die gemolken werden kann: WAZ-Volontäre verdienen künftig deutlich weniger" meldete die tageszeitung am 24.08.2004. Im Einzelnen heißt das: "Für das erste Jahr des zweijährigen Volontariats gibt es künftig 1.200 Euro - laut Tarif sind für über 22-Jährige 1.646 Euro, für Jüngere 1.484 Euro zu zahlen. Im zweiten Jahr werden die JournalistInnen in Ausbildung dann sogar über 500 Euro im Monat billiger: Künftig 1.400 statt der tariflich festgelegten 1.907 Euro will die WAZ-Gruppe löhnen. Und damit nicht genug: der Jahresurlaub wird von 30 auf 20 Tage gesenkt. Damit verstößt die Regelung eigentlich gegen das Bundesurlaubsgesetz: Es schreibt 24 Urlaubstage vor. Doch die WAZ verweist laut Betriebsrat darauf, dass die Volontäre nur eine Fünftagewoche arbeiteten - samstags ist bei Zeitungen ohne Sonntagausgabe schließlich immer frei. Rechnerisch gingen die 20 Tage also völlig in Ordnung", heißt es in der Meldung weiter.

Ein Einzelfall? Wohl nicht. Der Bundesfachausschuss "Junge Journalistinnen und Journalisten" des Deutschen Journalistenverbandes wird angesichts der sich immer dramatischer entwickelnden Berufs- und damit auch Ausbildungssituation ein "Schwarzbuch Journalistenausbildung" herausgeben.

Wie sieht es für Praktikanten aus?

Eine dramatische Lage auch hier: Viele Firmen ersetzen Vollzeitstellen durch Praktikanten, vermeintliche Volontäre, Hospitanten o.ä. Sie vertrösten Uni-Absolventen mit einem Praktikum, der sich auf eine feste Stelle beworben hat, ködern Praktikanten mit der vagen Aussicht auf eine anschließende Vollzeitstelle und zahlen Praktikanten nichts. Dass sich aber was tut, um diese Situation zu ändern zeigt eine Initiative der Handelsblatt-Gruppe: Die Zeitschrift "Karriere" (auch bekannt als "Jungekarriere", wie sie früher hieß) startet die Aktion "Fair Company": Praktikanten- und absolventenfreundliche Unternehmen werden ausgezeichnet, damit die zukünftigen Praktikanten wissen, wo sie sich bewerben können und wo nicht. Denn es gibt auch Schiedsrichter: Hat ein Leser schlechte Praktikumserfahrungen mit einer bestimmten Firma gemacht, kann er das der "Karriere"-Redaktion melden. Ausgezeichnet wurden bisher schon 141 Firmen.

Und was sagt er Arbeitsmarkt?

Der Deutsche Journalistenverband meldet: "Für Journalisten und alle, die es werden wollen, heißt es weiter: durchhalten!". Der DJV rechnet damit, dass noch rund 10.000 Journalisten arbeitslos sind. Und ein Aufschwung sei noch lange nicht in Sicht.
Anders sieht das Ingrid Laireiter, Projektleiterin im Medienfachverlag Oberauer: Das Jobangebot für Medienmacher ist so umfangreich wie schon seit Jahren nicht mehr. "Mitunter werden mehr als 70 Jobs am Montag in www.newsroom.de neu angeboten. 400 Angebote stehen im Archiv der zurückliegenden Wochen. Nach mehr als drei Jahren Flaute ziehen Jobangebote für Journalisten jetzt wieder deutlich an", so Laireiter weiter.

Ein Hoffnungszeichen?

1x1
Zur StartseiteHilfeImpressumKontakt
1x1