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Praktikumserfahrungen bei...

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Snowbooks Ltd., London

Nachdem ich 2001 ein Semester an der Universität in Portsmouth studiert hatte, wollte ich nach Großbritannien zurück, um mit einem Verlags-Praktikum nicht nur meine Fach-kenntnisse zu erweitern, sondern auch das britische Leben außerhalb der Uni kennen zu lernen. Monatelang hatte ich im Internet recherchiert, E-Mails und Anfragen verschickt; doch die meisten Verlage waren nach eigener Aussage entweder zu klein und nicht in der Lage, einen Praktikanten zu betreuen, oder schon auf Jahre ausgebucht. Im Juni 2003 war es dann aber endlich soweit: eine der negativen Antworten erhielt einen Hinweis auf eine mir bis dahin noch unbekannte Internetseite. Auf eine interessante Anzeige hin habe ich mich dann beworben und erhielt vier Tage später eine positive Nachricht. Nach einem kurzen Gespräch am Telefon war sicher: vom 13.10.2003 bis zum 14.01.2004 würde ich ein Praktikum bei Snowbooks absolvieren - ein kleiner, zu diesem Zeitpunkt gerade erst gegründeter Verlag in London.

Ich war vor allem begeistert von dem Enthusiasmus, mit dem dieser Verlag gegründet worden war und auch geführt werden sollte. Umweltschutz, aufmerksame Autorenbetreuung und faire Konditionen, keine Massenproduktion von qualitätslosen Büchern, sollten die Merkmale von Snowbooks sein. Auch die kurze Beschreibung meiner zukünftigen Aufgaben und Tätigkeiten klang vielversprechend: hauptsächlich sollte ich im Lektorat arbeiten, Gutachten über eingesandte Manuskripte erstellen, bereits ausgewählte Manuskripte lektorieren und ein Projekt meiner Wahl verantwortlich betreuen. Hier hatte ich mich für die sogenannte "Genius Series" entschieden, eine Reihe, in der klassische Literatur mit Hilfe eines modernen Buchcovers und einer Einleitung eines berühmten Stars für Jugendlich wieder attraktiv gemacht werden sollte. Darüber hinaus sollte ich auch Einblick in alle anderen Bereiche, wie beispielsweise Marketing, Verkauf und Vertrieb erhalten.

Rückblickend muss ich leider zugeben, dass das Praktikum nur halb so gut war, wie sich seine Beschreibung zunächst angehört hatte. Mein Projekt, die "Genius Series" war bis auf Weiteres gecancelt und ich hatte häufig den Eindruck, dass die mir zugeteilten Aufgaben nicht sinnvoll durchdacht waren, sondern mehr einer Art Beschäftigungstherapie glichen. So begann ich beispielsweise mit der Korrektur eines Manuskripts, sollte aber nach einer Woche diese Aufgabe unterbrechen, um eine englische Übersetzung von Warum Krieg anzufertigen, damit meine Kollegen entscheiden konnten, ob dieses Buch in unsere zweite Titelliste für 2005 aufgenommen werden soll. In dem folgenden Meeting wurde bedauerlicherweise keine Entscheidung getroffen. Auch betonte meine Chefin, dass Anregungen oder Kritik willkommen seien, letztendlich hat sie aber doch immer den Weg eingeschlagen, den sie allein für richtig hielt. Insgesamt hätte ich gerne mehr Verantwortung übernommen. Leider wurde es mir auch nicht ermöglicht, die Erfahrungen, die ich während vieler anderer Praktika gesammelt habe, intensiver einzubringen. Schade, denn meine Kollegen - eine Volontärin, eine andere Praktikantin, einer unserer Autoren und meine Chefin - stammen aus verlagsfremden Branchen und hätten wenigstens ab und zu von meinem Wissen profitieren können.

Trotz dieser Enttäuschung gab es auch einige positive Dinge: Das Verhältnis unter den Kollegen war locker und freundlich und ich hatte die Gelegenheit, zu sehen, wie die einzelnen Abteilungen zusammenhängen und in ihren Entscheidungen aufeinander angewiesen sind. Denn auch wenn es nur fünf Mitarbeiter gab, waren die Abläufe doch wie in einem großen Verlag.

Besonders beeindruckt hat mich die Atmosphäre im Büro: wir waren untergebracht im "Digital Incubator for London" - eine Art Großraumbüro, in dem ganz unterschiedliche, gerade erst entstandene Firmen ihre erste, günstige (da vom Staat subventionierte) Bleibe fanden. Dies verstärkte das ohnehin multikulturelle und internationale Flair Londons und hier bin ich nicht nur vielen neuen Freunden und Kulturen begegnet, sondern habe auch ein Job-Angebot erhalten: von Deutschland aus schreibe ich jetzt Artikel für ein neues Kunstmagazin. Nicht zuletzt hat natürlich auch London selbst, zumindest an den Wochenenden oder Abenden, mit seinen zahlreichen Attraktionen zu einem dennoch schönen Aufenthalt beigetragen.

Da die wirtschaftliche Situation der Verlage auch in Großbritannien eher schlecht ist und der Verlag zudem auch noch in den Kinderschuhen steckt, konnte das Praktikum verständlicher-weise nicht vergütet werden. Mithilfe eines Stipendiums von Leonardo Da Vinci, ein Pro-gramm, das mit EU-Fördermitteln finanziert wird, konnte ich aber die Hälfte der anfallenden Kosten abdecken. Obwohl ich also keine Bezahlung erhielt und das Praktikum nur annähernd meinen Vorstellung entsprochen hat, würde ich trotzdem immer wieder ein solches Praktikum absolvieren und kann nur jeden ermuntern, sich die Erfahrungen eines Ausland-Aufenthaltes nicht entgehen zu lassen!



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