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Der Autor, Harald Kuck, ist Ressortleiter für Finanzen und Hobby&Karriere bei FOCUS Online.
Ja, wie bin ich zum Journalismus gekommen: Im Grunde durch mehrere Zufälle, ich gehöre ja noch zur Generation der Seiteneinsteiger. Ich habe erst einige Jahre alles Mögliche gemacht, dann Lateinische Philologie, Mittlere und Alte Geschichte und Neuere Geschichte(am Lehrstuhl für Iberische- und Lateinamerikanische Geschichte) in Köln studiert- mit Abschluss "Magister".Dann war ich kurz arbeitslos und kam über eine ABM-(Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme)für ein gutes halbes Jahr zur Uni -Bibliothek in Köln. Danach war ich wieder ein paar Monate arbeitslos und habe mich dann auf eine Annonce als Archivmitarbeiter bei "Capital“ beworben. Das war ich etwas mehr als ein Jahr. Ich habe Zeitungsausschnitte abgeheftet und Rechercheaufträge aus der Redaktion erledigt. An einem Nachmittag kam Johannes Groß(einer der ganz großen Publizisten 70ger Jahre, ist vor einem Jahr gestorben) ins Archiv und brauchte dringend Material für seine "Bonner Runde" am selben Abend. Das war eine politische Talkshow (den Begriff gab es damals noch nicht) im ZDF. Er brauchte die Unterlagen um 18 Uhr und es sollte so viel sein, dass er es bequem in der 30-minütigen Fahrt zum Bonner Studio lesen konnte. Kurz vor sechs habe ich ihm dann das Mäppchen gegeben. Er fragte mich nach meiner Meinung zum Thema (was es war, weiß ich nicht mehr). Ich schilderte ihm meinen Eindruck - was ich halt so beim Blättern und Recherchieren gelesen hatte- und ging heim. Um 19 Uhr saß ich natürlich vor dem Fernseher. Johannes Gross begrüßte seine Gäste und wiederholte als Statement wortwörtlich das, was ich ihm erzählt hatte. Die Teilnehmer - alles Politiker mit Rang und Namen- nickten dazu bedeutungsvoll mit ihren Köpfen und dann begann die Diskussion.

Drei Monate später wurde ein Job in der Dokumentation frei und ich kam -durch einen zweiten Zufall- dann zum eigenen Schreiben: Auf der letzten Seite der großen Magazine werden ja schon immer die wichtigsten Themen des nächsten Heftes angekündigt. Und da hatte die Autorin der Aufmachergeschichte im politischen Part einen Unfall -ehe sie die Story schreiben konnte. Große Aufregung. Der Einzige, der ein wenig über das Thema wusste, war ich - ich hatte einiges für sie recherchiert.

Ich höre heute noch die erleichterten Worte von Heinrich Tiede, dem Ressortleiter, als er erfuhr, dass ich wusste um was es in diesem Artikel gehen sollte. Ich schrieb das Zeug zusammen - und Tiede war begeistert. Den Einstieg tauschte er mit dem Schluss, hier und da schrieb er etwas um, fertig war die Kiste. Von da an habe ich -neben meiner eigentlichen Arbeit- mit gestandenen Autoren und Redakteuren diskutiert: "Wollen wir nicht noch diesen und jenen Aspekt berücksichtigen? Das hier stimmt aber nicht! Hat der Informant das wirklich gesagt? - und so weiter. Da braucht's Fingerspitzengefühl, damit der Autor im Nachhinein sagt: "Die Story ist durch dein Eingreifen besser geworden." Durch meine eigenen Geschichten bewies ich ihnen, dass ich nicht nur gut daher reden, sondern auch selbst schreiben konnte. Das hat mir und meinem Ansehen sehr geholfen.

Von Capital ging ich dann zu einer Entwicklungsredaktion ("Punkt", ein Vorläufer(1985)mit ähnlichen Ideen, wie sie dann FOCUS verwirklicht hat). Das Projekt wurde aber eingestampft, daraufhin kam ich zu "impulse"(alles Gruner + Jahr).Dort war ich zuerst wieder Redakteur in der Dokumentation, nach einem halben Jahr Ressortleiter. Die weiteren Stufen nur in kurzen Zügen: Zwei Jahre beim Bundesverband deutscher Banken,von dort zu "Forbes" nach München -das wurde eingestellt, und dann habe ich von Anfang an FOCUS Online mit aufgebaut.

Harald Kuck
Ressortleiter
für "Finanzen" und "Job & Karriere"
bei FOCUS Online

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