Herr von La Roche ist Journalist, Journalismus-Lehrer, Honorarprofessor für Rundfunkjournalistik an der Universität Leipzig und Herausgeber der Reihe List Journalistische Praxis.
Planetpraktika: Herr von La Roche, wie sind Sie zum Journalismus gekommen?
La Roche: Am Gymnasium in München habe ich die Schülerzeitung "Unser Sprachrohr" gegründet, dann noch als Schüler für den Jugendfunk von BR und SWF gearbeitet, als Student dann überall was angeboten, um mir meine Hemden und Hörgelder (das gab's damals) zu verdienen. Mitten im Jura-Studium die Lehrredaktion des Werner-Friedmann-Instituts in München besucht (die heutige Deutsche Journalistenschule) und dort wirklich professionellen Journalismus gelernt. Dem Absolventen angebotene Jobs mit Fest-Anstellung habe ich abgelehnt, um das Studium abschließen zu können.
Die Referendarzeit über habe ich als dann bereits fest Angestellter bis zum Ende der täglichen BR-Zeitfunk-Sendung in Redaktion und Studio gearbeitet, danach bis Mitternacht aufs Assessor-Examen gebüffelt und Übungsklausuren geschrieben.
Planetpraktika: Würden Sie sagen, der Journalismus ist mehr ein Begabungsberuf als andere Berufe? Viele behaupten ja, dass Journalismus zu über vierzig Prozent eine Begabungssache ist. Was sagen Sie als "Journalistenausbilder" dazu?
La Roche: Natürlich gibt es ganz bestimmte Begabungen. Ich würde mich nie zum Metzger eignen oder zum Ingenieur. Die Debatte über den Journalismus als Begabungsberuf, als sie überhaupt noch aktuell war, drehte sich einerseits darum, ob mit Begabung allein schon alles geritzt sei und andrerseits, ob man auch mit nur geringer Begabung Journalismus lernen könne, wenn man ordentlich paukt und übt.
Meine Haltung in dieser Diskussion war immer: Begabung allein genügt nicht, Ausbildung allein auch nicht. Allerdings hat es der nur Begabte natürlich leichter als der nur Fleißige, weil sich der nur Begabte gerade heutzutage eine journalistische Ausbildung immer noch (und auf verschiedenste Weisen) besorgen kann. Wer aber kein Talent hat, dem hilft auch eine gute Ausbildung wenig.
Planetpraktika: Welche Tipps würden Sie einem Nachwuchsjournalisten geben?
La Roche: Tipps fürs Reinkommen oder fürs Arbeiten?
Fürs Reinkommen gibt es eine ganze Latte von Möglichkeiten, die alle immer wieder mit Recht genannt werden. Sie reichen von der freien Mitarbeit bei einem nahe gelegenen Medium (Lokalzeitung, Lokalradio, Lokalfernsehen) über ein Praktikum (notfalls auch unbezahlt) bis zum Schreiben von Fachbeiträgen über ein Gebiet, auf dem man sich auskennt. Wer ein Volontariat ergattert oder über eine journalistische Ausbildung Kontakte zu Abnehmern und Arbeitsplätzen herstellen kann, tut sich leichter.
Fürs journalistische Arbeiten zwei Erfahrungssätze:
- Wer neugierig ist, für den liegen die Themen wirklich auf der Straße: Schauen, zuhören, fragen, nachdenken, recherchieren - so kommt man auf den allerersten Beitrag und so sollte man weitermachen, wenn man ein erfolgreicher Journalist sein möchte.
- Weil es die Medien (selbst das Fernsehen) mit Sprache als Ausdrucksmittel zu tun haben, sollte der Journalist die Sprache nicht nur lieben, sondern sich auch in ihr ausdrücken können - und das scheint leider keineswegs selbstverständlich zu sein. Um den Gebrauch der Sprache zu lernen, muss man lesen (auch mal ein Stilbuch), hören, schreiben und sprechen. Und um in Übung zu bleiben und noch besser zu werden, ebenso.
Planetpraktika: Ihr Buch "Einführung in den praktischen Journalismus" ist zu einem Standardwerk (nicht nur) für Einsteiger geworden. Was hat Sie dazu bewogen, dieses Buch zu verfassen und wie viel Zeit haben Sie benötigt, um dieses Buch zu schreiben?
La Roche: Mein erster Unterricht war ein journalistischer Grundkurs, den ich als Lehrbeauftragter an der Münchener Uni hielt. Nach jeder Stunde kamen Kursteilnehmer und fragten mich nach Dingen, die man heute in Lehrbüchern nachlesen kann: Was ich denn meinte mit dem Unterschied zwischen Reportage und Bericht, wie man denn das Wichtigste fände für den Anfang einer Nachricht und so weiter. Und ob ich denn kein Skript verteilen könne. Da kam mir die Idee, alle diese Anfängerfragen in einem Buch zu beantworten.
Wie viel Zeit ich brauchte? Erheblich mehr als ich gedacht hatte. Denn ich musste ja eine Ordnung finden, eine Struktur für meine Themen und Thesen schaffen und all dies auch begründen; ich suchte auch möglichst viele und möglichst eindringliche Text-Beispiele. Das kostet Zeit, sagen wir: ein gutes halbes Jahr, jede freie Minute.
Planetpraktika: Welchen Ausbildungsweg würden Sie einem Nachwuchsjournalisten, nach dem Abitur empfehlen? (Wäre zum Beispiel ein Volontariat einem Studium vorzuziehen oder umgekehrt?)
La Roche: Immer häufiger kriegt man ein Volontariat erst nach abgeschlossenem Studium. Aber so kurz bringt diese Antwort wenig. Auch für die Beantwortung der Fragen zur richtigen Ausbildung habe ich meine "Einführung in den praktischen Journalismus" geschrieben, Teil 2: Ausbildungswege. Eine Kurzfassung findet man online auf http://www.journalistische-praxis.de/pj/wwege.htm.
Planetpraktika: Das Internet als neues Informationsmedium- was halten Sie davon?
La Roche: Grundsätzlich natürlich sehr viel. Das Internet hilft jedenfalls beim Einstieg in ein Thema. Aber die Regeln für seriöse Recherche sind bei der Suche im Internet nicht immer leicht zu realisieren, weil man zu wenig über die Verlässlichkeit mancher Quelle in Erfahrung bringen kann, insbesondere, was Gerüchte angeht, die in Diskussionsforen oder im Chat verbreitet werden. Da hilft nur: gegenrecherchieren, am besten ganz klassisch außerhalb des Internet.