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Projekt: Handicap? Na und! Lebenskünstler: Deutsche Zeitung in Ungarn Gute Zeiten, Schlechte Zeiten: Medien-Krise in Deutschland  
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Geschickte Lebenskünstler und begabte Geschäftsleute gründen Zeitung

Entstehungsgeschichte einer deutschsprachigen Zeitung in Ungarn


Wir schreiben das Jahr 1998. Es ist Sommer. Engagiert und voller Tatendrang blättern Fremdenführerin Adelheid T. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) und Zeitungssetzer Robert M. (Name von der Redaktion geändert) in einem großen, dicken Telefonbuch. Es liegt aufgeschlagen auf einem weißen Tisch. Die Beiden suchen nach Adressen deutscher Einwohner in der Umgebung der ungarischen Ferienstadt Siófok. Wieso? Robert M. und Adelheid T. haben eine deutschsprachige Zeitung gegründet. Ihre Blicke gelten potenziellen Lesern.

Eine aufregende Zeit liegt hinter ihnen: Im Frühjahr entschließt sich Robert M. mit Freunden zusammen eine deutschsprachige Zeitung am Plattensee herauszugeben. Der Traum scheint schon gestorben, als seine Freunde abspringen. Die Sache ist ihnen zu riskant. Robert M. gibt nicht auf. Er sucht nach neuen Mitherausgebern. Nach einiger Zeit trifft er Adelheid T. Sie hat Robert M. schon oft als Dolmetscherin geholfen und kennt ihn daher. Zusammen arbeiten sie ein Konzept aus und stellen die ersten Themen auf. Einige Wochen vergehen. Genauso flott wie die ersten Artikel fertig waren ist auch ein Name gefunden: "Balaton-Zeitung".

"Ich mache das nur dem Nachwuchs zuliebe"

Adelheid T. erinnert sich: "Es war keine leichte Entscheidung, bei diesem Unterfangen mit einzusteigen. Letztendlich habe ich das nur wegen meiner Söhne Roland und Martin getan. Sie haben auf einem hochangesehenen Gymnasium die Schulbank gedrückt. Zusammen mit ihrem Deutschlehrer haben sich die Beiden bei der Süddeutschen Zeitung beworben, um für das Ressort "Zeitung in der Schule" zu schreiben. Über drei Jahre lang hat die Klasse das Ressort mit Inhalten gefüllt. 1999 durften sie sogar den Staatspräsidenten Ungarns auf die deutsche Buchmesse begleiten, als Ehrengäste. Später haben die Schüler das Staatsoberhaupt zu sich an die Penne eingeladen. Sie werden es nicht glauben- er ist gekommen und hat die ihm bekannten Schreiberlinge mit einem freundlichen "Hallo meine Lieben" begrüßt. Mit meinem Einstieg in die "Balaton-Zeitung" habe ich Roland die Chance geben wollen, sein journalistisches Talent weiter auszuprägen".

Der Telefonbuch-Erfolg

Adelheid T. und Robert M. sind immer noch eifrig mit dem Telefonbuch beschäftigt. Die erste Ausgabe ist bereits gedruckt. Auflage: 6.000 Stück. Schwierige Aufgaben hat Adelheid T. bereits schon hinter sich: Anzeigenkunden finden, ungarische Beiträge ins Deutsche übersetzen und vieles mehr. Jetzt soll es ans bekannt machen gehen. Sie wollen einige Exemplare frei Haus verteilen. Mit dem eigenen Auto fährt Robert M. die ersten druckfrischen Exemplare aus. Ein Zettel mit den in Frage kommenden Adressen liegt auf der Ablage des Autos. Drei Stunden lang fährt Robert M. damit durch die ungarische Prärie. Die Exemplare, die nicht auf diesem Weg verteilt werden liefert Adelheid T. an private Zeitungshändler.

Es läuft bestens

Die Arbeit ist getan. Einen Schwung der Auflage ist frei Haus verteilt, der andere Teil liegt bei Zeitungshändlern. Das Blatt wird gut verkauft. Nach dem ersten Erfolg- die "Balaton-Zeitung" erfreut sich bereits großer Nachfrage- wird die Auflage erhöht. Die zweite Ausgabe ist bereits in Arbeit. Jetzt bereits mit 10.000 Stück. Ein Monat ist vergangen. Das frisch aus dem Druck gekommene Blatt geht direkt an die Zeitungshändler. Um die "Balaton-Zeitung" trotzdem noch bekannter zu machen, verteilt Adelheid T. Werbeaufkleber in allen Häfen des Plattensees.
Auch die zweite Ausgabe verkauft sich bestens. Das Blatt wird umfangreicher: Nicht mehr 32 Seiten, sondern 48. Um den Umsatz der privaten Zeitungshändler zu maximieren setzt Adelheid T. Prämien aus: Ein fünfzig Literfass Bier oder ein Wochenende in Deutschland, um nur einige "Belohnungen" zu nennen. Die "Balaton-Zeitung" hat sich gut etabliert.

Ausstieg- Adelheid gibt ihren Posten ab

Es scheint alles hervorragend zu sein. Aber am Horizont des Erfolges ziehen Wolken auf. Leider geht das journalistische Interesse Rolands zurück. Er schreibt weniger, konzentriert sich mehr auf sein Studium in Budapest. Robert M. bringt Artikel in die Zeitung, die Adelheid T. nicht gefallen. Meinungsverschiedenheiten treten auf. Wir schreiben das Jahr 2002. Nach fast fünf Jahren hängt Adelheid T. ihren Job an den Nagel. Die Zeitung wirft für sie zu wenig ab. Für Ersatz in der Redaktion ist jedoch schon gesorgt. Die "Balaton-Zeitung" lebt weiter- auch ohne Adelheid T. Zusammen mit einer Bekannten gibt sie den Fremdenführer "No. 1- Balaton" heraus.
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