DAS GESPRÄCH
Zunächst gilt: Stelle Dich vor. Sag, wer Du bist und wofür Du das Interview machst. Sei nett und quatsche den Bürgermeister nicht etwa mit "Hey Meister, dann sag mir mal..." an. Der Befragte soll sich ernstgenommen fühlen. Wenn er denkt, Du willst ihm gegenüber nicht fair sein, wird er vorzeitig abblocken und Du bekommst nichts aus ihm raus.
Der Partner ist die Hauptperson, nicht der Interviewer selbst. Spiele Dich nicht selber in den Vordergrund, sondern lass dem anderen den Vortritt. Lass ihn ausreden, aber unterbrich Redeschwälle. Schreib Dir Namen, Titel, Alter, Funktion genau auf. Es ist sehr ärgerlich für den Befragten, sich in der Zeitung drei Jahre älter oder mit „y“ statt mit „i“ geschrieben zu sehen.
Deine Fragen müssen zeigen, dass Du informiert bist. Du darfst aber keinesfalls vor Wissen strotzen oder damit angeben. Dein Wissen dient Dir dazu, eventuelle Lügen des Partners zu bemerken oder detailliert nachzufragen. Es sollte nicht Anlass sein, den Befragten mit Fachbegriffen und Wissen zu überrollen.
Der Partner muss seine Persönlichkeit entfalten können. Eine ruhige und entspannte Atmosphäre ist daher von Vorteil. Beim Interviewten zu Hause oder in seinem Büro fühlt er sich wohl. Vermeide laute, unpersönliche Kneipen als Treffpunkt. Stelle eine unverfängliche Einstiegsfrage, um die Atmosphäre zu lockern. Starre nicht ständig auf Deinen Block oder auf den Boden, sondern sieh Deinen Gesprächspartner direkt an.
Behalte Dein Thema und das Ziel Deiner Fragen stets im Auge. Schweift der Befragte ständig zu Adam und Eva ab? Schwafelt und labert er ohne Unterbrechung? Dann unterbrich ihn! Sag zum Beispiel "Um auf den Punkt zurückzukommen..."". Greif aber interessante Aspekte auf. Du musst nicht strikt an Deinem Gesprächskonzept kleben. Vielleicht zeigt sich ein sehr spannender Teilaspekt.
Stelle zunächst allgemeinere Fragen und hake da nach, wo es interessant ist. Dann kannst Du Deinen Partner zu speziellen Dingen befragen. Hab keine Angst davor, bei Fremdwörtern und Fachjargon nachzufragen, wenn Du etwas nicht verstanden hast. Schließlich musst Du Deinen Lesern erklären, um was es geht. Das kannst Du nur, wenn Du es selber verstanden hast.
Diskutiere nicht! Hake nach, wenn es Widersprüchlichkeiten gibt, aber fange keine Grundsatzdiskussion an. Das ist nicht Sinn und Zweck eines Interviews.
Frage frech, aber höflich. Habe keine Angst vor provozierenden Fragen, aber werde nicht unverschämt, indem Du dem Partner Dinge unterstellst. Fasse zum Schluss die gewonnenen Erkenntnisse noch mal zusammen oder nagele den Partner auf eine Aussage fest. Schreibe knackige Zitate für den späteren Artikel auf.
VERÖFFENTLICHEN
Willst Du das Interview als Ganzes veröffentlichen oder es in einen Artikel einbauen?
In beiden Fällen gilt: Kürzen ist erlaubt und erwünscht!
Niemand will „Ähs“ und „Alsos“ und unzählige Wiederholungen ein und derselben Sache lesen oder hören. Dabei musst Du jedoch darauf achten, dass Du keine Zusammenhänge entstellst. Das Endergebnis solltest Du (zumindest wenn Du das gesamte Interview drucken/senden willst) vor Veröffentlichung vom Interviewpartner "absegnen" lassen. Das vermeidet Missverständnisse, es kann aber auch passieren, dass der Partner Aussagen zurückzieht. Das musst Du dir eben überlegen. Keinesfalls solltest Du den Interviewpartner Deinen Artikel redigieren lassen.
Sende dem Partner in jedem Fall ein Belegexemplar zu. Das hilft, bestehende Kontakte zu pflegen und aufrecht zu erhalten. Vielleicht willst Du später wieder mal ein Statement haben. Das wird Dir der Befragte sicher lieber geben, wenn er Dich in guter Erinnerung hat.
Die Fotos zu diesem Artikel stammen von photocase.de