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Praktikumszeugnis

Generell wird zwischen einfachem und qualifiziertem Zeugnis unterschieden. Enthält das einfache Zeugnis lediglich die Dauer und die Art der Beschäftigung (oftmals heißt es deswegen auch "Praktikumsbestätigung"), ist das qualifizierte Zeugnis wesentlich umfangreicher. Das qualifizierte Zeugnis enthält zusätzlich Angaben über Leistung und Sozialverhalten des Praktikanten.

Es ist in folgende Punkte untergliedert:

o Überschrift: Bezeichnung der Zeugnisart

o Einleitungssatz: Personalien des Mitarbeiters, Dauer des Arbeitsverhältnisses

o Tätigkeitsbeschreibung: Position des Mitarbeiters und Beschreibung seiner Kompetenzen in der Firma

o Leistungsbeurteilung: Arbeitsweise, Arbeitsleistung und Arbeitserfolge

o Verhaltensbeurteilung

o Schlussformulierung

Anspruch auf Zeugniserteilung

Der ausscheidende Praktikant hat einen Anspruch auf Zeugniserteilung (BGB Paragraf 630). Gemäß dieser Vorschrift kann "bei der Beendigung eines dauernden Dienstverhältnisses der Verpflichtete von dem anderen Teil ein schriftliches (einfaches) Zeugnis über das Dienstverhältnis und dessen Dauer fordern". "Das (qualifizierte) Zeugnis ist auf Verlangen auf die Leistung und Führung im Dienst zu erstrecken."

Grundsätzlich verjährt der Anspruch auf Zeugniserteilung erst nach 3 Jahren (Paragraf 195 BGB). Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts soll aber schon vor Ablauf dieser Verjährungsfrist der Anspruch auf Zeugniserteilung in bestimmten Fällen verwirkt sein. Wenn du über längere Zeit deinen Anspruch nicht geltend machst und so den Eindruck erweckst, du wolltest gar kein Zeugnis haben, kann der Anspruch verwirkt sein. "Eine zeitliche Begrenzung ist hier nicht eindeutig festzulegen, da es sich dann immer um die Beurteilung des Einzelfalls handelt", schreibt Karin Hummes-Flörke, Fachanwältin für Arbeitsrecht auf der Webseite arbeitsrecht.de. Heike Lambertus, Geschäftsführerin des Deutschen Journalistenverbandes in Nordrhein-Westfalen geht von einer zeitlichen Begrenzung von einem Jahr aus. Danach sei der Anspruch auf ein Zeugnis verwirkt. In einigen Tarifverträgen sind auch Verfallsklauseln vorgesehen, nach deren Ablauf die Erteilung des Zeugnisses vom Arbeitgeber verweigert werden kann. Diese kannst du in den Tarifverträgen ggf. selbst nachlesen.
Vor einem Arbeitgeberwechsel sollte in jedem Fall ein Arbeitszeugnis eingefordert werden.

Der Aufbau des qualifizierenden Zeugnisses

Nach den Angaben zur Person und Dauer des Beschäftigungsverhältnisses ist das Tätigkeitsfeld das Arbeitnehmers darzustellen. Hierbei wird zunächst die Position angegeben, die der Arbeitnehmer in der Firma innegehabt hat: Praktikant/-in. Es folgt die detaillierte Beschreibung der Aufgaben, mit denen der Praktikant betraut war.

Nach der Aufstellung der Aufgaben wird die Leistung beurteilt. Folgende Formulierungen werden dabei sehr oft verwendet. Beachte die Notenskala von 1 bis 5:

o Note 1

Der Arbeitnehmer erledigte alle ihm übertragenen Aufgaben stets zu unser vollsten Zufriedenheit.(Bei einigen Firmen herrscht die Meinung, dass voller als "voll" nicht existiert. Deswegen heißt es bei diesen Firmen hier statt "vollsten Zufriedenheit" "vollen Zufriedenheit")
Wir waren mit seinen Leistungen außerordentlich zufrieden.
Er hat unsere Erwartungen immer und in allerbester Weise erfüllt.

o Note 2

Der Arbeitnehmer hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.
Seine Leistungen waren voll zufriedenstellend.
Den Erwartungen wurde in jeder Hinsicht und in bester Weise entsprochen.

o Note 3

Die übertragenen Aufgaben wurden zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt.
Den Erwartungen wurde in bester Weise entsprochen.

o Note 4

Die übertragenen Aufgaben wurden zu unserer Zufriedenheit erledigt.
Die Aufgaben wurden mit Sorgfalt und Genauigkeit erledigt.

o Note 5

Die übertragenen Aufgaben wurden im großen und ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt.
Er hat unseren Erwartungen entsprochen.
Es strebte nach guten Leistungen.
Er hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt.
Er war immer mit Interesse bei der Sache.

An die Beurteilung der Leistung schließen sich Angaben zum Sozialverhalten an. Auch hierfür haben sich bestimmte Formulierungen herausgebildet:

o Note 1

Das persönliche Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war jederzeit einwandfrei. Durch sein freundliches und hilfsbereites Wesen war er sehr beliebt.

o Note 2

Das persönliche Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war einwandfrei. Durch sein freundliches und hilfsbereites Wesen war er sehr beliebt.

o Note 3

Das persönliche Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war korrekt. Durch sein freundliches und hilfsbereites Wesen war er sehr beliebt.

o Note 4

Das Verhalten zu Vorgesetzten und Mitarbeitern gab zu Beanstandungen keinen Anlass.

o Note 5

Das Verhalten war insgesamt angemessen.
Er bemühte sich um ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und Kollegen.
Im Kollegenkreis galt er als toleranter Mitarbeiter.
Wir lernten ihn als umgänglichen Kollegen kennen.
Er wusste sich gut zu verkaufen.
Erhebliche Bedeutung kommt auch der Schlussformulierung zu. Dort können z.B. Bedauernsausdrücke stehen und/oder ein Angebot, später nach kompletter Ausbildung, erneut bei der Firma engagiert zu werden.

Thematische Tabus im Zeugnis

Der ausscheidende Praktikant sollte überprüfen, ob die folgenden Punkte, welche nach deutscher Rechtsprechung nicht im Zeugnis angesprochen werden dürfen, vom Arbeitgeber trotzdem berücksichtigt wurden.

- Gehalt
- Kündigungsgründe
- Vorstrafen
- Abmahnungen
- Krankheiten/Fehlzeiten
- Leistungsabfall
- Alkoholprobleme
- Behinderungen
- Gewerkschafts- oder Betriebsratstätigkeit
- Parteizugehörigkeit
- Konfession
- Berufliche Fortbildungszeiten
- sexuelle Präferenzen.

Diese Punkte dürfen auch nicht durch versteckte Formulierungen auftauchen. Einige der obigen Punkte treten aber immer wieder in Zeugnissen auf. Sollte dies der Fall sein, hat jeder das Recht auf eine Neuausstellung des Zeugnisses ohne die "kritische" Bemerkung. Zur Not kann dieses Recht juristisch eingeklagt werden.

Häufig heißt es, die Zeugnissprache sei zu einer Art Geheimsprache mutiert, die du als Praktikant vielleicht nicht verstehst, andere Personalentscheider aber sehr wohl.
Um dir das Leben etwas zu erleichtern, seien hier ein paar Floskeln übersetzt:

Floskeln und deren übersetzung:

Er ist ein anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter.
Selbstsucht und Nörgelei waren hervorstechende Eigenschaften des Praktikanten.
=
Wir lernten ihn als umgänglichen Kollegen kennen.
Einige Kollegen konnten den Praktikanten nicht leiden.

Im Kollegenkreis galt er als toleranter Mitarbeiter.
=
Der Praktikant konnte mit Vorgesetzten nicht angemessen umgehen.

Er zeigte gutes Einfühlungsvermögen für die Belange der Belegschaft.
=
Der besondere Eifer des Praktikanten galt den Kolleginnen.

Er trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas bei.
=
Der Praktikant hatte Alkoholprobleme.

Er zeigte Verständnis für seine Arbeit.
=
Seine Leistungsbereitschaft war mangelhaft.

Er trat sowohl innerhalb wie auch außerhalb unseres Unternehmens engagiert für die Interessen der Kollegen ein.
=
Der Praktikant war/ ist in einer Gewerkschaft tätig.

Er hat besondere Kenntnisse im deutschen Rechtswesen.
=
Der Anwalt ist sein bester Freund.

Weiterführende Informationen findest du hier:

Codierungs-Ratgeber
http://www.boorberg.de/zeugnis/codierung.pdf

Zum Zeugnisaufbau
http://www.boorberg.de/zeugnisaufbau.pdf

Arbeitsrecht im Netz
http://www.arbeitsrecht.de

"Arbeitszeugnisse in Textbausteinen"
Arnulf Weuster, Brigitte Scheer, Boorberg Verlag, Preis: 19,90 Euro

Artikel dazu: dpa (Kooperationspartner)
Zu unserem Praktikumsworkshop

Zum Weiterlesen empfehlen wir folgendes Buch:
Das perfekte Arbeitszeugnis. Richtig formulieren, verstehen, verhandeln
(Book)
Authors:Jürgen Hesse, Hans Chr. Schrader
Manufacturer:Eichborn
Released:März 2006



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